Vanya Palchik

Ein Fuß weniger,
eine Welt mehr

In Berlin, wo der Beton Geschichten speichert wie andere Städte Postkarten, taucht er plötzlich im Bild auf: ein junger Mann, einbeiniger Skater, Krücken in den Händen, die mehr nach Werkzeug aussehen als nach Hilfsmittel. VANYA PALCHIK. 25 Jahre alt. Geboren in der Ukraine, inzwischen ein Phänomen in der globalen Skateszene – und doch vor allem eines: ein Mensch, der sich weigert, sich beugen zu lassen.



Vanya PalchikVanya Palchik, Foto: Emil Schwarz



 

Zwischen Kyjiw und Odessa: Ein Junge sucht die Kante

Malaya Viska, Kirovohradska Oblast. Ein kleiner Ort im geographischen Zentrum der Ukraine, irgendwo zwischen Kyjiw und Odessa. Kein Ort, von dem aus man automatisch zur Weltbühne startet.
Hier wächst Ivan „Vanya“ Palchikov auf – ein Junge, der früh beginnt, sich von der Schwerkraft zu lösen: Freerunning, Parkour, Sprünge von Dächern, Saltos, Skateboards, Züge. Die Ukraine ist für ihn kein „Hinterland“, sondern ein Abenteuerspielplatz mit echten Konsequenzen.
Mit 13 entdeckt er Parkour und Freerunning, später Skateboarding. Er sucht nicht den sicheren Weg, sondern die Kante. Das Geländer. Die Lücke. Den Moment, in dem man nicht mehr zurück kann.

 

Das Video zum Song „Isolation“ der Band „Lorning“ ist eine Hommage von Emil Schwarz an Vanya Palchiks Lebensweg

 

Ein Zug, ein Monat Koma, ein neues Leben

2017 wird aus der Kante ein Abgrund. Eine Aktion auf einem Zug, wie so oft. Nur dieses Mal reißt die Sicherung. Der Fall endet nicht auf Video, sondern unter Rädern. Vanya wird von einem Zug überrollt. Sein rechter Fuß – weg. Ein Monat Koma. Krankenhaus, Schock, Eltern, die um sein Leben und ihre Kraft kämpfen.
Er selbst beschreibt den Moment des Erwachens später so: Erst die Erleichterung zu leben, dann der Blick unter die Decke – und das Fehlen des Beins. Der Bruch ist radikal. Und doch beginnt hier etwas Neues.
Wenige Monate später steht er mit Krücken wieder draußen. Nicht für „Spaziergänge zur Rehabilitation“, sondern für Training. Fünf Monate nach der Amputation: erster Backflip auf einem Bein, Krücken in den Händen. Anderthalb Jahre später: ein Frontflip mit Krücken – Landung auf dem Skateboard.
In einem seiner langen Instagram-Texte schreibt er sinngemäß: Um dein Leben zu ändern, reicht eine Bewegung. Um dich selbst zu ändern, musst du ein bisschen verrückt werden.
Es ist keine Parole, sondern ein Erfahrungswert.

Unstoppable: Training statt Tragödie

Während andere noch sortieren, ob so ein Unfall „eine Lektion“ oder „ein Schicksalsschlag“ war, ist VANYA PALCHIK längst wieder unterwegs. Er filmt und lässt filmen, wie er durch verfallene Industriegelände klettert, auf Brücken steigt, in Skateparks Tricks probt, die schon auf zwei Beinen anspruchsvoll wären.
Auf Instagram und TikTok nimmt er seine Community mit in ein Leben nach der Amputation: kein gefiltertes „Alles ist möglich“-Motivationskitsch, sondern harte Arbeit, Stürze, gebrochene Boards, gebrochene Finger. Seine Krücken nennt er „Support“ – und spielt bewusst mit dem Wort: Unterstützung als Mensch, als Gegenstand, als Idee.
Seine Botschaft:
Du wirst Rückschläge erleben. Gib dich selbst dabei nicht auf. Und wenn du ins Straucheln gerätst – finde Schritt für Schritt zurück in dein Gleichgewicht. Vielleicht ist das der Grund, warum er weit über 80.000 Followerinnen und Follower hat: Nicht, weil er „trotzdem weitermacht“, sondern weil er radikal deutlich zeigt, was es heißt, weiterzumachen.

 

Vanya Palchik, Foto: Emil Schwarz



VOM PARALYMPICS-TRAUM ZUM MODEL, STUNTMAN UND MARKEN-GESICHT

Nach dem Unfall träumt Vanya zunächst von einer sportlichen Zukunft im Paralympischen Kontext. Ukrainische Medien berichten über den jungen Mann, der sein Bein verloren hat und nun davon spricht, einmal bei den Paralympics zu starten. Ein Traum, der wie ein Fixstern am Horizont steht – nicht als sichere Karriere, sondern als Richtung. Parallel beginnt seine zweite Biografie:

 

Mit Beginn des russischen Angriffskriegs in der Ukraine verlässt er sein Land und zieht nach Berlin. Hier lebt er heute, arbeitet in 3D-Visualisierung, entwickelt eigene Projekte – und bleibt das, was ihn von Anfang an ausmacht: jemand, der seinen Körper als Instrument begreift, nicht als Einschränkung.


DIGITALER DONNER: TONY HAWK UND DIE WELT, DIE HINSCHAUEN MUSS

2022 taucht ein Clip von VANYA PALCHIK in einem Kontext auf, in dem nichts mehr „Nische“ ist: Tony Hawk teilt ein Video, in dem Vanya mit Krücken und einem Bein Tricks macht, die selbst routinierte Skater demütig werden lassen.
Skateboarding-Medien wie skateboarding.com und Magazine wie Brokenmagazine greifen seine Geschichte auf. In den Kommentaren immer wieder dieselben Worte: „Weitermachen.“ „Motivator.“ „No excuses.“
VANYA PALCHIK ist nicht mehr nur „der Typ mit einem Bein, der krasse Sachen macht“. Er wird zum Spiegel: für alle, die kleinere Probleme haben – und keine Ausreden mehr.

Action Film x VANYA PALCHIK: Die Kamera auf Augenhöhe

In Berlin kreuzen sich schließlich seine Wege mit Emil Schwarz, Regisseur, Extremsportler und Kopf von Action Film Berlin. Was wie eine Zusammenarbeit beginnt, wirkt eher wie ein Gespräch auf Augenhöhe: zwischen jemandem, der Bewegung lebt, und jemandem, der sie in Bilder übersetzen kann.
Action Film ist seit Jahren auf Achse: Skate-Dokumentationen in Tokio, Havanna, New York, LA, Barcelona, Moskau, Paris, London, Berlin; Content mit Extremsportlern für Marken und Kunstprojekte weltweit; Fallschirmsprünge, Wingsuit-Formationen, High-Jump-Events im sächsischen Wald.
Mit VANYA PALCHIK verdichtet sich vieles: Authentische Street-Kultur, Extremsport, Urbanität, filmische Handschrift. In dieser Konstellation entstehen Projekte, die nicht „über ihn“ erzählen, sondern mit ihm: etwa das Berliner Musikvideo „Isolation“ für die Leipziger Dark-Band LORNING, in dem seine Figur durch eine urbane Dystopie treibt – verletzlich und unzerbrechlich zugleich.

STREET CREDIBILITY KANN MAN NICHT CASTEN

Marken können VANYA PALCHIK nicht „buchen“, um sich Glaubwürdigkeit anzukleben. Sie können sich höchstens neben ihn stellen – und sehen, ob es passt.
Er ist

 

Was ihn für Kooperationen interessant macht, ist nicht die Tatsache, dass er ein Bein verloren hat. Es ist, wie wenig er bereit ist, sich davon definieren zu lassen.
In Verbindung mit einer Produktionsfirma wie Action Film Berlin, deren Crew selbst aus Skatern, Fallschirmspringern und Grenzgängern besteht, entsteht ein Raum, in dem Marken sich ernsthaft platzieren können: nicht als Fremdkörper, sondern als Teil einer Erzählung über Risiko, Konsequenz, Haltung und Stil.
Street Credibility lässt sich weder konzipieren noch erringen. Man ist Teil davon – oder nicht.

EIN MENSCH ALS PHILOSOPHIE

VANYA PALCHIK ist Reibungsfläche. Ein Bruch in einer Welt, die glatte Oberflächen liebt. Er zeigt, dass Verletzlichkeit und Konsequenz sich nicht ausschließen, sondern gegenseitig aufladen. Vielleicht ist das sein eigentliches Werk: nicht nur Tricks zu landen, sondern eine Haltung sichtbar zu machen. Nicht nur einbeiniger Skater zu sein, sondern ein lebender Gegenentwurf zur Idee, man sei Opfer der Umstände.
Er feiert nicht den Verlust seines Fußes – er feiert das, was danach noch möglich ist. Und wer ihm dabei zusieht, spürt: Das hier ist mehr als Content. Es ist eine Einladung, das eigene Leben nicht auf „Pause“ zu stellen, nur weil etwas Ungeplantes passiert ist.
VANYA PALCHIK ist kein Motivationsposter. Er ist eine Philosophie auf Krücken. Und ein Skater, der zeigt, dass man auf einem Bein genauso weit kommen kann – wenn man bereit ist, ein bisschen verrückt zu werden.

 

📸 Instagram


🖤 Produktionsfirma: Action Film Berlin (Projekt- & Markenanfrage)