Der erste Action Film der Welt: The Great Train Robbery (1903)
Der Begriff Action Film ist heute allgegenwärtig – Verfolgungsjagden, Explosionen, Adrenalin pur. Doch wo beginnt diese filmische Stilrichtung? Ein Schlüsselwerk dafür ist „The Great Train Robbery“, ein zwölfminütiger Stummfilm von Edwin S. Porter aus dem Jahr 1903, produziert für die Edison Manufacturing Company.
In diesem Artikel entführen wir Sie auf eine Reise in die Entstehung dieses Films, analysieren seine Bedeutung für das Genre Action Film, berichten spannende Hintergrundgeschichten zu den Machern und Protagonisten, und erklären, warum man von diesem Vorreiter lernen kann.

Hier sehen Sie den kompletten Action Film (13 Minuten)
In The Great Train Robbery wird eine Gruppe von Gesetzlosen gezeigt, die einen Zug überfallen, die Flucht antreten und schließlich von einer örtlichen Posse gestellt werden.
Der Ablauf im Überblick:
Zwei maskierte Banditen überfallen ein Telegraphenbüro, zwingen den Angestellten zur Anweisung, einen Zug zu stoppen.
Der Zug wird von den Banditen geentert, es folgt Plünderung und Flucht mit der Lokomotive.
Eine Verfolgungsjagd mit Pferden und eine Schlussszene, in der die Gesetzlosen gestellt werden.
Als dramaturgisches Extra: Eine kurze Nahaufnahme des Outlaw-Anführers (gespielt von Justus D. Barnes), wie er direkt in die Kamera schießt — ein reiner Gag, ohne narrativen Zweck, aber höchst wirkungsvoll.
Diese Kombination aus Überfall, Flucht, Verfolgung, Bewegung im Raum und spektakulärer Bildinszenierung trägt schon deutlich die Kennzeichen dessen, was wir heute unter Action Film verstehen.
Technik, Stilmittel und filmhistorische Innovationen
Warum gilt dieser Film als einer der ersten Action Films? Weil Porter und sein Team eine Reihe von filmtechnischen Mitteln kombinierten, die bis dahin nur selten genutzt wurden – und damit das visuelle Erlebnis und die Erzählstruktur revolutionierten.
Mehrere Szenen und Orte statt einer Einstellung
Bis Anfang des 20. Jahrhunderts bestanden viele Filme nur aus einer einzigen Einstellung („single shot“). In The Great Train Robbery nutzte Porter 14 Szenen („fourteen scenes“) an verschiedenen Orten – Studio, Außendreh, Eisenbahnstrecke.
Kamerabewegung & Außenaufnahmen
Erstmals in großer Breite: Dreharbeiten im Freien (New Jersey, Essex County Park) und Kameraschwenks, Panoramabewegungen, die das Geschehen mit dynamisieren.
Parallelmontage / Cross-Cutting
Der Film zeigt gleichzeitig stattfindende Aktionen an unterschiedlichen Orten – ein Prinzip, das Stil und Tempo erzeugt.
Visueller Gag als Nahaufnahme
Die Szene, in der Justus D. Barnes direkt in die Kamera schießt, war kein Erzählelement, aber ein verblüffender Effekt. Porter schrieb, dass „the catalogue’s informal approach to where the scene should be placed“ der Werbewirksamkeit diente.
Diese Techniken wirkten so frisch, weil sie Film als Erlebnis inszenierten – Bewegtheit, Spannung, Direktheit – nicht nur als bloße Abbildung.
Die Entstehung – Wer war Edwin S. Porter & Co.?
Edwin S. Porter war zunächst Kameramann und technischer Mitarbeiter bei Edison, bevor er Regie führte. Er erkannte, dass Filme mit effektiven Erzählstrukturen erfolgreicher sein könnten: „From laboratory examination of some of the popular films … I came to the conclusion that a picture telling a story might draw the customers back to the theatres.”
Ein weiterer wichtiger Name: Gilbert M. Anderson, auch bekannt als „Broncho Billy“ Anderson, war Schauspieler im Film (unter anderem als Bandit, Tänzer) und half Porter bei der Inszenierung.
Die Filmproduktion erfolgte im November 1903 in New York und New Jersey. Eine Anekdote: Laut einem NY Times-Artikel lehnte zunächst eine Eisenbahngesellschaft ab, ihre Lokomotive für den Dreh zur Verfügung zu stellen. später erlaubte sie es unter der Bedingung, dass Edison gleichzeitig einen Werbefilm für sie machen würde.
Als Budget werden etwa 150 US-Dollar genannt – eine sehr kleine Summe nach heutigen Maßstäben, aber damals ein typisches Risiko-Projekt.
H2: Gesellschaftlicher Kontext, Zeitgeist und Filmwirtschaft der frühen 1900er
Um 1903 befand sich das Kino noch im Experimentierstadium: frühe „Actuality“-Filme zeigten Alltagsszenen oder Bühnenaufnahmen. Erzählerische Spielfilme waren selten.
Die Popularität von Western-Motiven war bereits vorhanden – Erzählungen vom „Wilden Westen“, Zugüberfällen und Outlaws waren Teil der populären Kultur. Porter griff diese populären Themen auf und verwandelte sie filmisch.
In den USA verbreiteten sich sogenannte Nickelodeons – kleine Kinos mit Eintritt für einen Nickel – Anfang der 1900er Jahre. The Great Train Robbery wurde vielfach in diese Häuser gezeigt und trug zur wirtschaftlichen Etablierung des Kinos bei.
Die Wirkung war also nicht nur filmisch, sondern auch sozial: Kino wurde zunehmend als Massenunterhaltung wahrgenommen, nicht nur als technische Kuriosität. Der Aktions-Film war Teil dieses Wandels.
Warum dieser Film als „erster Action Film“ bezeichnet wird
Obwohl The Great Train Robbery nicht der allererste Film war – und auch nicht der allererste Western – wird er dennoch als „erster Action Film“ im Sinne der modernen Filmästhetik verstanden.
Er kombiniert Handlungsstruktur mit Aktion: Überfall → Flucht → Verfolgung.
Er setzt Bewegung ins Bild (Lok, Pferd, Flucht) – und nicht nur statische Szenen.
Er nutzt Montage und Schnitt als erzählerisches Werkzeug, nicht nur zur technischen Verbindung von Einstellungen.
Er erzeugt Spannung und Spektakel und richtet sich an ein Publikum, das visuelles Erlebnis sucht – typische Merkmale eines Action Films.
Filmhistoriker betonen jedoch, dass er nicht alles neu erfand – sondern viele Elemente zusammenführte und kommerziell erfolgreich machte. Etwa: „the film’s significance … mostly in terms of its wide popularity and Porter’s influential action-driven storytelling.”
Auswirkungen auf das Genre, die Filmproduktion und das Kino
Genre-Effekte
Der Film legte Grundmuster fest – etwa das Thema „Überfall auf einen Zug“, die Flucht zu Pferd, der Showdown. Diese Elemente tauchen in vielen späteren Western und Action Filmen wieder auf.Technische und stilistische Wirkung
Porters Schnitttechnik und Erzählweise wurden Vorbild. Die Idee, mehrere Szenen an verschiedenen Orten zu schneiden und damit Spannung aufzubauen, beeinflusste das Erzählen im Film nachhaltig.
Wirtschaftliche Wirkung
Durch seinen Erfolg zeigte der Film, dass Spielfilme mit narrativen Elementen und spektakulären Szenen kommerziell tragfähig waren. Der Übergang vom Kurzdokument zur narrativen Unterhaltungsproduktion bekam Schwung.
Kulturelle Wirkung
Der ikonische Schluss-Gag (Bandit schießt in die Kamera) wurde mehrfach zitiert – z. B. in Goodfellas (1990) von Martin Scorsese oder im James-Bond-Intro.
Nebengeschichten & Anekdoten rund um den Film
Eine frühe Fassung des Films wurde im Dezember 1903 veröffentlicht – kurze Zeit später lief der Film bereits in mehreren Kinos in New York.
Der Schauspieler Justus D. Barnes, der den Banditen spielte und die berühmte Kamera-Schuss-Szene lieferte, war damals nicht ein Star – doch diese eine Einstellung wurde legendär.
Gilbert M. Anderson, der im Film mehrere kleine Rollen hatte, wurde später unter dem Namen „Broncho Billy“ zu einem der ersten Western-Stars der Welt.
Beim Dreh kam es zu Verwirrung: Ein Dummy, der von einer Lokomotive geworfen wurde, soll von Passanten für ein echtes Unfallopfer gehalten worden sein.
Der Film war teils handkoloriert – einzelne Kopien zeigten Farbvarianten, was damals noch ungewöhnlich war.
Lektionen für heutige Action-Produktionen
Für eine junge Filmproduktion wie Ihre – mit Fokus auf beeindruckende Bilder, Extremsportler, Produkplatzierung und globale Locations – bietet The Great Train Robbery erstaunlich viele Impulse:
Erzählstruktur statt bloßer Effekt: Auch ein Action Film braucht eine verständliche Handlung, damit das Publikum emotional involviert ist.
Bewegung im Bild & visuelle Dynamik: Lok, Pferd, Flucht – zeigen Sie Bewegung, Lust am Raum und Tempo.
Bild- und Schnittgestaltung gezielt einsetzen: Auch heute gilt: Schnitt und Montage sind keine reinen Tools, sondern Narrationsmittel.
Marktfähigkeit durch Erlebnisse schaffen: Der Erfolg von Porter zeigt: Publikum will nicht nur Objekt-Film, sondern Erlebnis.
Produktintegration mit Sinn: Wenn Ihr Unternehmen mit seinen Produkten Teil dieser Welten wird, gilt es, wie Porter, Aktion und Klarheit zu verbinden (z. B. eine dynamische Produktszene im Flight).
Fazit – Warum „Action Film“ bei Ihnen zählt
Der Begriff Action Film ist nicht nur Genre-Label, sondern beschreibt ein filmisches Erlebnis: Bewegung, Spannung, visuelle Kraft. The Great Train Robbery von 1903 war ein Schlüsselwerk – nicht weil es alles erfand –, sondern weil es viele Elemente erstmals wirkungsvoll zusammenführte und damit Wegbereiter war.